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Geburtstraditionen in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich: Storch, Muisjes und Dragées

Geburtstraditionen in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich: Storch, Muisjes und Dragées

In Deutschland haben manche Landkreise Familien einen Obstbaum geschenkt, den sie für ihr Neugeborenes pflanzen. Wer in den Niederlanden ein neues Baby besucht, bekommt beschuit met muisjes, einen Zwieback mit überzuckerten Anissamen, und bei einer französischen Taufe verteilen Pate oder Patin oft Dragées, überzuckerte Mandeln. Die niederländische Geschichte vom Storch, der die Babys bringt, ist wahrscheinlich aus einer deutschen Volkssage in die Niederlande gelangt.

Warum bringt der Storch das Baby?

Nach deutscher Folklore bringt der Klapperstorch die Babys, die er in Höhlen, Teichen oder Sümpfen gefunden hat, in einem Korb zu den Eltern oder lässt sie durch den Schornstein fallen, so beschreibt es der Wikipedia-Artikel zum Weißstorch. Das niederländische Naturkundemuseum Natuurmuseum Brabant schreibt, dass man gegen das 19. Jahrhundert glaubte, der Storch bringe das ganze Baby und lasse es durch den Schornstein fallen oder gebe es der Mutter, und dass die Verbindung von Storch, Geburt und Glück bis heute auf Geburtsanzeigen zu sehen ist.

In den Niederlanden gab es die Geschichte schon im 18. Jahrhundert, richtig beliebt wurde sie dort aber erst im 20., schreibt das niederländische Geschichtsmagazin IsGeschiedenis. Das Magazin vermutet, dass sie wahrscheinlich aus Deutschland herüberkam und dass die Geburt der späteren Königin Juliana 1909 sie noch beliebter machte. Es zählt auch den Storch im Garten zu den Bräuchen, die zu einer Geburt gehören.

Warum pflanzen manche Familien einen Baum für ihr Baby?

Für ein Neugeborenes einen Baum zu pflanzen ist ein alter Brauch, und manche Landkreise haben den Baum in den letzten Jahren bezahlt. Der Landkreis Bamberg stellte für jedes Landkreisbaby, geboren ab September 2019, einen Obstbaum zur Verfügung, berichtete inFranken.de 2020: Die Familien konnten unter 14 Sorten wählen, darunter Äpfel, Birnen, Süßkirschen, Mirabellen und Zwetschgen. Laut dem Artikel greift die Aktion auf den traditionsreichen Brauch zurück, dass Eltern für ihr Neugeborenes einen Baum pflanzen.

Der Kreis Recklinghausen hatte 2024 eine ähnliche Aktion. Laut seinem Flyer für dieses Jahr schenkte der Landrat jedem neugeborenen Kind des Jahres ein "Vestisches Geburtsbäumchen", einen kleinen Obstbaum aus alten, regionalen Sorten.

Was ist beschuit met muisjes, und warum essen Niederländer das?

Beschuit met muisjes ist ein runder niederländischer Zwieback, mit Butter bestrichen und mit muisjes bestreut, Anissamen mit einer Zuckerhülle. Die niederländische Wikipedia fasst den Brauch in einem Satz zusammen: Man isst es in den Niederlanden speziell, wenn ein Baby geboren ist. Wer das Baby besuchen kommt, bekommt es angeboten.

Ineke Strouken, damals Direktorin des niederländischen Zentrums für Volkskultur, sagte 2007 der Zeitung NRC, die Tradition sei wahrscheinlich im 17. Jahrhundert entstanden. Die Wöchnerin bekam kraamanijs, zerstoßene Anissamen, um wieder zu Kräften zu kommen, und auch der Besuch wurde bewirtet. Im 18. Jahrhundert, so der Artikel weiter, begann man, die Samen zu überzuckern. Mit seinem kleinen Stiel sieht der Samen aus wie eine Maus, auf Niederländisch "muisje".

Zwieback und Muisjes wurden erst später ein festes Paar. Um 1920 war die Kombination laut demselben Artikel noch keine Tradition; beliebt wurde sie nach 1938, als der Hersteller De Ruijter zur Geburt von Prinzessin Beatrix eine Riesendose oranger Muisjes überreichte. Laut Wikipedia ging die Dose an den Palast Soestdijk, und seitdem sind orange Muisjes bei der Geburt eines Prinzen oder einer Prinzessin von Oranien Tradition und dann für kurze Zeit im Supermarkt zu haben.

Beschuit met muisjes wurde erst nach 1938 ein landesweiter Geburtsbrauch, als De Ruijter für Prinzessin Beatrix eine Riesendose oranger Muisjes in den Palast brachte.

De Ruijter stellte rosa-weiße Muisjes ab 1860 industriell her. Die blauen für einen Jungen kamen erst 1994 dazu, schreibt IsGeschiedenis. 2010 sagte der Marketingmanager von De Ruijter dem Sender NOS, dass jährlich 60 Millionen Zwiebacke mit Muisjes gegessen werden, etwa gleich verteilt auf Rosa und Blau. Strouken wiederum sagte, der Brauch habe 2002 auf Platz 2 einer Top 10 der Rituale gestanden, knapp hinter Sinterklaas, dem niederländischen Nikolausfest.

Warum verteilt man bei einer französischen Taufe Dragées?

Eine Dragée ist eine Mandel mit einer dünnen Zuckerschicht, oft mit der Stadt Verdun verbunden, und sie wird traditionell bei Taufen, Hochzeiten und Kommunionen verschenkt, so die französische Wikipedia. Die katholische Kirche in Frankreich erklärt in ihrem Ratgeber zur Taufe, dass der parrain oder die marraine, also Pate oder Patin, oft Dragées schenkt, eine Tradition, die bis etwa ins 10. Jahrhundert zurückreicht.

Auch die Erklärung liefert sie. Die Mandel ist eine Frucht in einer Schale, ein Symbol für Fruchtbarkeit und Leben, und ursprünglich warf der Pate beim Verlassen der Kirche Hände voll Haselnüsse und Mandeln. Später traten Dragées an ihre Stelle. Die Seite nennt das einen Ritus, mit dem das Kind in die Gemeinschaft aufgenommen wurde, und sagt, dass der Brauch bis heute das Festliche einer Taufe markiert.

Wie sind die niederländische Geburtskarte und die französische faire-part entstanden?

Ab den 1950er-Jahren verschickten in den Niederlanden immer mehr Menschen ein geboortekaartje, eine Geburtskarte, statt der damals schon üblichen Geburtsbriefe, schreibt IsGeschiedenis, oft mit einem Kohlkopf oder einem Storch darauf.

In Frankreich heißt die Karte faire-part de naissance. Das Wörterbuch Larousse beschreibt eine faire-part als gedruckten Brief, der ein wichtiges Familienereignis ankündigt: einen Todesfall, eine Geburt oder eine Hochzeit. Laut der französischen Wikipedia ist die Geburtsversion eine kleine Karte, die traditionell die Eltern verschicken und die Familie und Freunde in den Wochen, manchmal sogar Monaten nach der Geburt erhalten. Ihre zwei festen Bestandteile sind der Vorname des Babys und das Geburtsdatum.

LandBrauchWas passiertDatierung in unseren Quellen
NiederlandeBeschuit met muisjesDer Besuch isst Zwieback mit überzuckerten AnissamenLandesweiter Brauch nach 1938
Niederlande, DeutschlandDer StorchLaut Volksglauben bringt der Storch das BabyIn den Niederlanden beliebt im 20. Jahrhundert
DeutschlandGeburtsbaumFür das Baby wird ein Baum gepflanzt; manche Landkreise haben ihn bezahltBamberg ab 2019, Recklinghausen 2024
FrankreichDragéesPate oder Patin schenken bei der Taufe oft überzuckerte MandelnEtwa 10. Jahrhundert
NiederlandeGeboortekaartjeEine gedruckte Geburtskarte, oft mit Storch oder KohlkopfVerbreitet ab den 1950er-Jahren
FrankreichFaire-part de naissanceEine kleine Karte der Eltern, Wochen oder Monate nach der Geburt erhaltenNicht datiert

Welches Andenken passt zu diesen Bräuchen?

Die Muisjes werden gegessen und die Dragées verteilt; die Karte ist der Brauch, den man aufheben kann. Unsere Geburtskarten gibt es als Klappkarten in A5 oder als Postkarten in A6, jede mit eigenem Umschlag, und jedes Design gibt es auch als gerahmtes Poster oder auf Leinwand. Suchst du noch die richtigen Worte, hat unser Ratgeber zum Text für die Geburtskarte Beispiele, und die Geburtsblume jedes Monats gibt der Karte etwas von der Jahreszeit.

Wenn du so weit bist, gestalte deine Geburtskarten mit dem Namen und dem Geburtsdatum deines Babys.

Geschrieben von
Babyprint Lab
Ratgeber